SPÖ WN zum Teilabriss der Stadtmauer

"Der Abriss eines Teiles der Stadtmauer im Zuge der Bauarbeiten an den Kasematten hat viele besorgte, ja entsetzte, Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt hervorgerufen", erklärt Stadtrat Wolfgang Scharmitzer. Vor allem würden sich viele Menschen die Frage nach dem Zweck dieser zweifelsohne einzigartigen Vorgangsweise stellen, so Scharmitzer weiter. 

Die Stadtverwaltung begründete den Abriss damit, dass es sich erstens nicht um einen  "historischen" Teil der Stadtmauer handeln würde und zweitens dass "Gefahr im Verzug" gegeben wäre. 

"Natürlich ist nicht jedes Stück Mauer in unserer Stadt "historisch wertvoll",  meint dazu Vizebürgermeister Horst Karas. "Aber aus städtebaulicher Sicht und vor Allem aus Sicht des Ensembleschutzes ist der Abbruch zutiefst zu bedauern", so Karas weiter. Wiener Neustadt war am Ende des Zweiten Weltkriegs mehr oder weniger total zerstört und wurde klarerweise der Großteil der beschädigten Objekte und Häuser mit dem vorhandenen Material wiederaufgebaut. Karas: "Im Umkehrschluss bedeutet das aber für mich, dass nach den Aussagen der Presseaussendung der Stadt eigentlich kein einziges Objekt in Wiener Neustadt "historisch wertvoll" sein dürfte, da ja überall beschädigtes Mauer- und Hausteile durch "nicht-historisches" Material ergänzt wurde", so Karas weiter. Nachsatz: "Das ist natürlich Unsinn, denn niemand würde jetzt z.B. dem Rathaus, welches ebenfalls durch Bombentreffer beschädigt wurde und sicherlich auch mit dem vorhandenen Mauer- und Schuttmaterial wiederaufgebaut wurde, das Prädikat "historisch" absprechen!" 

Scharmitzer fragt sich: "Warum also wurde dieses Teilstück der Stadtmauer dem Abrissbagger freigegeben? Warum greift hier nicht der Ensembleschutz, welcher die Stadtmauer, die ein einzigartiges Identifikationsmerkmal für die Bürgerinnen und Bürger aber auch Besucher unserer Stadt darstellt, vor derartigen Angriffen schützt?" 

"Ein Blick auf die offiziellen Projektunterlagen des planenden Architekturbüros könnten die Antwort darauf geben", erklärt Stadtrat Martin Weber. "Ein Vergleich der durch den Abriss entstandenen Lücke mit dem offiziellen Schaubild zeigt deutlich, dass bereits bei der Projektierung der Kasematten-Revitalisierung diese "Lücke" in der Mauer vorgesehen war", so Weber weiter. "Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob durch eine derartige Planung einer Mauerlücke ein bewusster Konnex zu Kriegszeiten hergestellt werden sollte; schließlich waren die Kasematten ja in erster Linie als Depot für Waffen und Munition in Verwendung", versucht Weber eine Erklärung für die offenbar geplante Lücke in er Stadtmauer zu finden. Weber weiter: "Wenn dem aber so war und diese Lücke tatsächlich "geplant"˜ war - “ aus welchem Grunde auch immer, so steht dies diametral der Aussage entgegen, dass "Gefahr im Verzug" gegeben gewesen wäre! 

Karas, Weber und Scharmitzer abschließend unisono: "Hier wurde ein Stück Geschichte und Identität unserer Stadt -  aus welchen Gründen auch immer -  geopfert. Eigentlich sehr schade, da die Revitalisierung der Kasematten grundsätzlich zu begrüßen ist und durch derartige Planungen bzw. Vorgangsweisen ein schaler Nachgeschmack zurükbleibt!"

« Zurück